BILD DER INNERE KRITIKER

Vom Kritiker zum Beschützer

Kratzend, nagend spürte ich, dass er wieder da war: Der innere Kritiker. Stimmen, die nicht meine sind, klagten mich bereits am frühen Morgen an. Beim Aufwachen fühlte ich die Blicke meiner anerzogenen fundamentalistischen Persona, die angeekelt auf mein heutiges Leben und Sein schaute. Versagerin, so empfand ich mich.

Ich griff zu einfachen Wachsmalstiften. Ich wusste, diese sprechen das verletzte und das unschuldige Kind in meinem Inneren an. Ich zeichnete, ohne nachzudenken, das Gesicht des Kritikers. In den folgenden Tagen konnte ich diese Zeichnung nicht ohne Schmerz betrachten.

Eine Schere zur Hand und Bastelkleber brachte ich das unangenehme Gesicht auf die Leinwand auf, die ich bereits mit einer Rettungsdecke beklebt hatte.

Acrylfarben zur Hand. Spachtel. Schicht für Schicht brachte ich Farbe auf. Kratzte Farbe wieder ab. Pinsel, Erinnerung, ich verschönere Dinge. Farbe auf das Gesicht, nun erkannte ich es. Es blickt nicht mich an:

Es blickt dorthin, wo das Kind verletzt wurde. Es blickt dorthin, wo meine Individualität getötet werden sollte.

Es hängt an meiner Wand und es blickt schützend, wütend, blutend.

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